Texten ist kein Hexenwerk, sondern ein Handwerk

Mit seinem Launch hat der auf künstlicher Intelligenz basierende Chatbot von OpenAl wahre Begeisterungsstürme ausgelöst, aber auch ganze Branchen vor Angst erzittern lassen. Bei Google und CEO Sundar Pichai schrillten zuletzt die Alarmglocken und der ChatGPT wurde als existenzielle Bedrohung eingestuft. Doch was steckt hinter diesem Hype? Ist die Bedrohung real und was bedeutet dies für die Content-Anbieter, Autoren und Auftraggeber?

Es heißt nicht umsonst „Der Ton macht die Musik!“

Bevor es um den ChatGPT geht, soll es um positive Wörter und deren Kraft gehen. Sicherlich ist es jedem schon einmal aufgefallen, dass positive Worte eine besondere Kraft besitzen. Es heißt nicht umsonst „Der Ton macht die Musik“. Wird ein Anliegen oder ein Text in positive Worte gehüllt, anstelle der negativ behafteten Pendants, dann sind die Aussichten auf den Erfolg wesentlich höher. Dabei ist es völlig nebensächlich, um was es sich handelt. Sondern der Verfasser soll die Botschaft mit wohlwollenden Worten verpacken. Dabei sollte natürlich nicht die Nachricht verfälscht oder gar eine Versprechung gemacht werden, die nicht gehalten werden kann oder es sollte sich nicht um eine Lüge handeln.

Wie genau der ChatGPT schafft, ist nicht klar, aber Umformulierungen erzielen gleich eine ganz andere Wirkung, wie bspw.:

„Ich halte die Idee für schlecht.“ – „Ich kann mich nur wenig mit der Idee anfreunden.“

„Das Unternehmen bietet schlechte Leistungen.“ – „Sicherlich gibt es eine Alternative zu dem Unternehmen.“

Zwar gibt es keinerlei positive Wörter mit p am Ende, aber dafür viele, die ein p am Anfang haben wie perfekt, problemlos, Pünktlichkeit, prächtig, positiv oder prachtvoll.

Was ist nun der ChatGPT?

Bei ChatGPT handelt es sich um ein dialogbasiertes Chatbot-System, das aus der KI-Schmiede OpenAl stammt. Mitbegründet wurde das dahinterstehende Unternehmen mit Sitz von San Francisco von Elon Musk und wird inzwischen maßgeblich von Microsoft finanziert. Für dieses Jahrzehnt prognostiziert OpenAl-CEO Sam Altman eine Revolution der künstlichen Intelligenz.

Der ChatGPT funktioniert auf der Grundlage von GPT (Generative Pre-Trained Transformiere), einem Sprachmodell, das auf künstlicher Intelligenz basiert. GPT wurde auf der Basis riesiger Mengen von Textdateien trainiert, um die Muster und Strukturen der menschlichen Sprache zu erlernen. Darunter befinden sich zum Beispiel die Wikipedia-Artikel. Die auf der Deep-Learning-Technologie basierenden Ergebnisse sind erstaunlich. So ist GPT-3 in der Lage eine Vielzahl von Texten zu generieren, Antworten auf jede erdenkliche Frage zu liefern und Programmcodes zu erstellen, die bemerkenswert menschlich klingen.

Wie ist es um die Textqualität von ChatGPT bestellt?

Der Bot spuckt in Sekundenschnelle eine Vielzahl von Textarten zu allen möglichen Themen aus wie bspw. Geschichten, Nachrichten und Gedichte. Es steht außer Frage, dass die Leistungen dieses Programms beachtlich sind, doch bislang haben die KI-Texte noch ihre ganz klaren Grenzen.

Denn der ChatGPT schreibt zum Teil oberflächlich und wiederholend. So fällt auf, dass die Texte oftmals an Mehrwert fehlen. Geht es zum Beispiel um die Beschreibung von Orten, dann sind die Texte des Chat-Boots wenig spezifisch und wirken austauschbar. Beispielsweise folgende über die irische Kleinstadt Clonmel:

Es gibt so viele Dinge, die Clonmel zu einem besonderen Ort machen. […] Wenn du die Chance hast, Clonmel zu besuchen, solltest du diese auf keinen Fall verpassen. Du wirst es nicht bereuen, diesen wunderschönen und emotionalen Ort kennengelernt zu haben.“

Sicherlich nicht falsch, aber es wirkt oberflächlich, da dies auf viele Orte weltweit zutrifft. Das bedeutet, der Text ist nicht wirklich konkret und präzise. Des Weiteren fällt bei den KI-Texten auf, dass diese sich bei der Struktur der Sätze und den Satzanfängen oftmals stark ähnlich sind und wiederholen. Dabei handelt es sich um ein mögliches stilistisches Problem.

Schreiben ist ein Handwerk und KI ist nicht so kreativ wie ein Mensch

Zu beachten ist, dass das GPT-Modell keine kreative Intelligenz besitzt. Zudem ist dieses nicht in der Lage, die Nuancen und subtilen Unterschiede zu verstehen, wenn es um die menschliche Sprache geht.

Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass es sich beim Schreiben um mehr handelt als nur die Aneinanderreihung von Worten. Es handelt sich um eine Kunst, ein Handwerk, ein Geschick, Übung und Verständnis von Sprache und Struktur. Derzeit besitzen die Al-Sprachmodelle diese Fähigkeit noch nicht, sprich, sie können diese Eigenschaften nicht vollständig replizieren.

Nach eigenen Angaben von ChatGPT fehlt es dem Chatbot noch an der Fähigkeit des kreativen Denkens und ebendieses ist für die Arbeit eines guten Autors essenziell.

Handelt es sich beim ChatGPT um eine Chance oder Bedrohung für Autoren?

Am Ende soll noch der ChatGPT zu Worte kommen: GPT ist keine Bedrohung für menschliche Autoren. […] GPT und andere AI-Sprachmodelle können nützliche Werkzeuge sein, um Ideen zu generieren und bei bestimmten Aspekten des Schreibprozesses zu helfen, wie zum Beispiel beim Korrekturlesen.“

Einige Freelancer sehen das Tool als hilfreich an und setzen dieses zur Erleichterung bestimmter Aufgaben ein. So hilft dieses beispielsweise bei der Rechtschreibprüfung oder dabei eine grobe erste Struktur für einen Text zu erstellen.

Wenngleich die Textqualität oftmals nicht so schlecht erscheint, so sollte sich niemand auf diese verlassen, sofern es nicht zu einer Blamage kommen soll. Denn derzeit gibt es noch eine Reihe von Stolpersteinen bei den KI-Texten.

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